ARTORNOW_1 // Anna Lena Straube, Daniel Rode, Dieter Lutsch, Franz Höfner, Harry Sachs, Ina Sangenstedt, Johannes Lauter, Jakob Schaible, Judith Karcheter, Katja Kollowa, Malte Hagen, Marco Barotti, Markus Wüste, Matthias Deumlich, Michael Roggon, Peter Kröning, Sabine Fassl, Santiago Ydáñez, Sencer Vardarman, Simone Haack, Sinta Werner, Stefan Heinrich Ebner, Tim Schober, Ulrike Helms

 

Born to be Wild // Mit weit aufgerissenen Augen, die Haare raufend stürzt sich Courbet in seinem Selbstporträt von 1843 geradezu aus dem Rahmen des Bildes. Der Ausdruck seines nackten Entsetzens stürmt distanzlos auf den Betrachter ein. Der Maler zeigt sich im Zustand der Entgrenzung und inszeniert, was zu einem Topos der Romantik geworden ist: Der Künstler als wilder Kerl, der die andere Seite des Seins zu erblicken vermag, jene Seite, die der domestizierten Ordnung zuwiderläuft. Dass heute der Topos vom wilden Künstler eher in seiner ironischen Brechung virulent ist, schwächt nicht die Vorstellung, dass Kunst noch immer als Möglichkeit gilt, der glatten Oberfläche einer effizienten Moderne andere Qualitäten entgegenzusetzen und zum Animalischen in uns vorzudringen. Am Wilden, sei es eine psychologische Disposition, die uns innewohnt oder die Konfrontation mit der Natur als menschlich-zivilisatorisches Gegenüber, arbeitet sich die Kunst heute ebenso ab, wie schon vor 150 Jahren. Die Kategorien des Wilden haben sich selbstverständlich geändert. Der Mythos Wildnis ist diskursiv und nicht unabhängig von gesellschaftlichen Neuerungen zu erzählen. Die Vorstellung vom Wilden ist eingebettet im dynamischen Prozess der Grenzziehung zwischen kultiviert und unkultiviert, zwischen rückständig und fortschrittlich. Heute könnte bereits ein Landstrich ohne Internet Empfang als Wildnis gelten. Auch neben seiner chronologischen Wandelbarkeit ist das Konzept vom Wilden alles andere als eindeutig. Es ist durchzogen von Ambivalenzen. Die Konnotationen des Wilden bewegen sich zwischen Extremen. Die Wildnis wird dämonisiert als willkürliches, gewalttätiges Chaos und romantisiert als Zustand einer natürlichen, puren Ordnung. Wildsein kann das Gefühl absoluter Freiheit meinen und zugleich erscheint es als das Ausgeliefertsein an unkontrollierbare Mächte. Diese Widersprüchlichkeit durchzieht auch das Verhältnis der Kunst zum Wilden. Im Kunstdiskurs ist das Wilde Sehnsuchtsort nie zu erreichender, unmittelbarer Schönheit, die sich ästhetischer Konventionen widersetzt und gleichsam Gegenstand der Abgrenzung zum künstlerisch- kontrollierten Schaffensprozess, der aus rohen Materialien ein menschliches Werk hervorbringt. In der barocken Wunderkammer vereinen sich diese Vorstellungen. Eine gute Sammlung umfasste sowohl einen Walpenis, arabeske Korallen, kuriose naturwissenschaftliche Geräte als auch Gemälde großer Künstler. Eine Hierarchisierung von Natur und Kultur erscheint hier obsolet. Vielmehr rücken die unterschiedlichen Qualitäten der einzelnen Objekte in den Vordergrund, die Neugier erregen, weil sie ein Anderes als das Gewohnte zeigen. Die Ausstellung Born to be Wild ist einer Wunderkammer nicht unähnlich. Sie zeigt künstlerische Positionen, die unterschiedliche Qualitäten einer scheinbar unkontrollierten Natur – unheimlich, chaotisch, romantisch, enthemmt, rau, grotesk, skurril, surreal, fragil – ausloten, ohne dabei eine Künstlichkeit im besten Sinne des Wortes zu negieren. Ein postmodernes Augenzwinkern, um dem aufgeladenen Mythos des Wilden ihre Schwere zu nehmen, wird man dabei immer wieder entdecken, ohne jedoch die Sinnlichkeit der Wildnis zu vermissen. (Charlotte Silbermann)

Artornow Karte-01

Info // Kirche und Schloss Tornow // Sa-So 14.30-20.30/ 16798 Fürstenberg/ Havel OT Tornow/ Neue Strasse 18/ Artonow01@gmail.com/ Auto L21-B96/ Zug RE5-RB12/ Bus 837-838

Der Ort // Tornow ist an der Landstraße zwischen Zehdenick und Fürstenberg entstanden. Von der Frühzeit bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts, war die durch Tornow führende alte Handelsstraße von großer Bedeutung. Ursprünglich war der Ort, bis 1946 war hier die Grenze zwischen Mecklenburg und Brandenburg, sogar eine Stadtanlage. Tornow wurde im Jahre 1348 erstmals urkundlich erwähnt. Im Mittelalter wurde ein Rittersitz gegründet, weil hier ein Übergang durch die feuchtsumpfigen Wiesen und dem Tornower Fließ möglich war. Das Gut Tornow gehörte über Jahrhunderte der Familie von Buch. Das heutige Schloss wurde um 1880 an der Stelle des 1553 errichteten Rittersitzes in historisierendem Stil erbaut. Es handelt sich hier um einen zweigeschossigen rot-gelben Ziegelbau. Nach einem Brand von 1917 wurde das Schloss 1922 neu errichtet. 1994 wurde das Schloss vom Ökowerk e.V. als ökologische Bildungsstätte ausgebaut. Das Schloß kann zu jeder Zeit besichtigt werden. In der Nähe des Schlosses steht die Dorfkirche von Tornow. Die Kirche, ein rechteckiger Feldsteinbau mit gleich breitem Westturm aus dem späten 13. Jahrhundert, ist eine architektonische Besonderheit. Bei der neugotischen Rekonstruktion 1837 bis 1838 wurde das Schiff um 7 m verkürzt. Gleichzeitig wurden alle Fenster verändert, das Innere neu ausgestattet und der obere Teil des Turmes aus roten Ziegeln neu errichtet. Dieser quadratische Turmaufsatz weist eine große Ähnlichkeit zu den Türmen der Friedrichswerderschen Kirche in Berlin auf. Der Architekt des Kirchenumbaus hat diesen ganz im Geist des bedeutendsten preußischen Baumeisters des 19. Jahrhunderts, K. F. Schinkel, ausgeführt. Die landschaftlich schöne Lage von Tornow, in der Nähe des Wentowsees, spricht für einen Besuch der Region.

Advertisements